2019 Newsletter Nr. 2

Liebe Freunde,

Einige von Euch haben sich wohl gefragt, warum ich nach Weihnachten noch immer so schrecklich viel zu tun hatte. Der Grund ist, dass Tiko um Mitwirkung bei der Durchführung einer Umfrage in den Dörfern im Katete-Distrikt gebeten wurde, um Daten für ein gemeinsames Forschungsprojekt der Universitäten von Oxford und von Kapstadt zu erheben.

Viele Menschen, die in ländlichen Gebieten von Afrika südlich der Sahara leben, einschließlich derer im Katete-Distrikt, haben keinen Zugang zu elektrischem Strom, und für diejenigen, die Strom bekommen könnten, ist er oft unerschwinglich teuer. Außerdem führt die Verwendung von Holz zum Kochen in vielen Gebieten zu Entwaldung und vermehrter Erosion. Daher besteht großes Interesse an Solar-Energie. Vor der Planung von Projekten ist es jedoch nötig, mehr Informationen über die Lebensbedingungen der betroffenen Gemeinschaften zu sammeln. Weil die meisten Dorfbewohner kein Englisch sprechen und viele keine Schulbildung haben, ist es nötig, die sehr detaillierten Fragebögen in Chewa zu übersetzen und die Mitglieder des Tiko-Teams dazu auszubilden, bei der Umfrage zu helfen.

Für Tiko bedeutet es eine Riesenaufgabe, 400 Befragungsgespräche mit Dorfbewohnern durchzuführen, deshalb haben wir zur Vorbereitung die Mitarbeit der Stammes-Oberhäupter, der Dorf-Vorsteher und einiger Freunde in Katete organisiert.

(Fotos – links: Tiko-Mitarbeiter bei der Bearbeitung des Fragebogens auf Chewa. Christine tippt, Solomon und Tigris geben Ratschläge.)

(Links: Mitglieder der Tiko-Gemeinschaft, die als Umfragehelfer ausgebildet wurden.)

(Rechts: Die ersten Befragungen im Guernsey-Saal)

 

Kate Neely, Leiterin der internationalen Programme der Roundtrip Foundation

Vor kurzem verbrachte ich eine Woche in der Tikondane Lodge und bekam einen wundervollen Einblick in die positiven Aspekte der laufenden Programme. Die Mitartbeiter von Tiko sind zu Recht stolz auf die Fortschritte bei der Schaffung von besseren Verdienstmöglichkeiten, besserer Ernährung und besserer Gesundheit für ihre Familien. Ein großartiges Beispiel war das Gespräch mit Tigris, das wir unterwegs zu ihrem Haus führten. Ihr war aufgefallen, dass alle in diesem Jahr Mais anpflanzten, und weil der Preis für Mais deshalb sicher fallen würde, entschied sie sich, andere Nahrungsmittel anzubauen. Ein anderes Beispiel war Doris, die mir ihren Gemüsegarten zeigte, aus dem sie ihre Familie ernährt: die Vielfalt der Gemüsesorten war erstaunlich, und die Umsetzung der “19 Schritte aus der Armut heraus“ war offensichtlich, mit Kompost, Tauben, Kaninchen und sauberem Wasser auf ihrem Vorplatz. Wenn man zehn oder mehr Münder zu füttern hat, muss man ja jede Ressource nützen, die man hat. Doris hat sogar eine Kompost-Toilette eingerichtet, so dass ihr Brunnen sauber bleibt und sie ihren Garten mit Dünger versorgen kann. In meinem Beruf als Entwicklungsexpertin habe ich viele Programme scheitern gesehen, sobald jemand das Projekt verlässt. Es erfüllte mich aber mit Zuversicht, als ich ein Verwaltungstreffen mitmachte, bei dem die Mitarbeiter und die Dorf-Vertreter die Führung übernahmen und die Ideen ablehnten, mit denen sie nicht einverstanden waren, nachdem sie sie aus verschiedenen Blickwinkeln erörtert hatten. Es gefiel mir auch sehr, dass sie ihre eigenen Vorstellungen darüber äußerten, was sonst noch alles gemacht werden könnte.

(Foto  links: Kate mit einigen der Kinder, um die sich Doris kümmert)

Dies ist wirklich eine gemeinschaftlich geleitete Initiative, die positive Ergebnisse für die Mitarbeiter und die umgebenden Dörfer erzielt.

Zum Schluss möchte ich unbedingt das hohe Ansehen erwähnen, das Elke in der ganzen Umgebung entgegengebracht wird, und wie dadurch auch Besuchern wir mir ganz außergewöhnliche Möglichkeiten geboten werden. Ich hatte die Gelegenheit, einen fantastischen Abend bei einem dörflichen “Geister tanz“ zu verbringen, der unbeschreiblich bewegend war – voller Energie und Masken und Trommeln und den Rufe und Antworten der Sänger und Tänzer. Es ist wirklich etwas, das man selbst erleben muss, nicht nur darüber lesen.

Die Taschengeld-Gruppe

Bei der Generalversammlung der Tiko-Mitarbeiter brachten wir den Vorschlag ein, dass Kinder von ihnen, die Stipendien von Tiko bekommen, sich selbst ein Taschengeld verdienen könnten, um damit Schulmaterial zu kaufen und was sie sonst so brauchen. Alle Team-Mitglieder stimmten zu und baten Tiko, auch diej Schulkinder einzubeziehen, die zu weit entfernt wohnen, um jeden Samstag nach Tiko zu kommen. Die Kinder sollten lernen, organischen Kompost herzustellen, Gemüse in Pflanzsäcken anzubauen und sich damit ein Taschengeld zu verdienen. So bestellte beispielsweise eine Frau aus der Verwaltung zwei Pflanz-Säcke und die Schulkinder stellten sie auf.

(Foto) Vier Mädchen, die lernen, wie sie Taschengeld verdienen können, indem sie Pflanzsäcke aufstellen und organischen Kompost herstellen.

 

Neue Zäune – davon hängt der Anbauerfolg in Tiko ab – Dank an Melbourne

Sorgfältig gepflegte Nutzpflanzen, die aber nicht gründlich genug eingezäunt sind, werden allzuoft die Beute von freilaufenden Nutztieren. Die Felder zu umzäunen ist die einzige Lösung. Dank der großzügigen Spenden von Tiko-Freunden in Melbourne, die uns über die RoundTrip Foundation zukamen, ist das nun möglich. Einige der Ergebnisse sind auf den Fotos weiter unten zu sehen. Das Vieh und die Hühner anderer Leute von den Feldern fernzuhalten ist schwierig, außer man hat wirkungsvolle Zäune. Auch ein ziemlich solider Zaun wird die Hühner nicht abhalten. Sie fressen zwar schädliche Insekten, aber sie beschädigen auch die Nutzpflanzen.

 

Die Lösung ist dieser neuartige Zaun, der zwar nicht besonders solide aussieht. Aber wenn er mit trockenem Gras ausgefüllt wird, versteckt er die Pflanzungen und macht sie weniger verführerisch.

(Foto links) Dieser Zaun wartet noch auf das Gras. Es gibt zurzeit zu viel Regen, deshalb ist das Gras noch nicht einsatzbereit!

Nun müssen wir hoffen, dass es keine Überschwemmung gibt.

 

(Foto rechts) Ein fertiger Zaun. Matilda lächelt glücklich in einer Ecke ihres Gemüsegartens, der vor den Hühnern geschützt ist, wenn das Gatter geschlossen ist.

 

Das neue Crowdfunding Projekt

Unser vorheriges Projekt zeigte, dass noch viel Arbeit nötig ist, um die Ernährung im Katete-Distrikt zu verbessern. Deshalb planen wir, in diesem Jahr ein neues Crowdfunding Projekt unter dem gleichen Thema zu starten, das wir hiermit ankündigen.

Die Kinder im Katete-Distrikt von Sambia leiden in hohem Maße an Unterernährung. Unser vorheriges Projekt testete das Nahrungsergänzungsmittel ONENEPA an einer Gruppe von Kindern und stellte fest, dass es Wachstum und Gewichtszunahme bewirkte und gleichzeitig den Appetit förderte. Aber die Ernährung ist eine Familienangelegenheit, deshalb wollen wir mit ganzen Familien arbeiten, um herauszufinden, ob sie tatsächlich eine ausgewogene Ernährung erreichen können, indem sie das notwendige Gemüse im eigenen Garten anbauen.

Die hiesigen Mitglieder des Tikondane Community Centre sind bereit, an einem Versuchslauf teilzunehmen, bei dem das Gewicht und die Körpergröße aller Familienmitglieder viermal im Jahr erfasst werden wird. Die Karteikarten von den Kliniken werden benutzt, um die Wachstumsraten und die allgemeine Gesundheit der Kinder unter fünf Jahren festzustellen. Während der Messungs-Aktionen werden wir die Leute über ihre Ernährung und über Gesundheitsprobleme befragen.

Das Problem: Im Katete-Distrikt ist es üblich, dass die drei Mahlzeiten am Tag hauptsächlich aus Mais bestehen. Mais liefert Energie aus Kohlenhydraten, enthält aber sehr wenig Protein, Vitamine oder Mineralien, die zur körperlichen Entwicklung benötigt werden.

Tiko lehrt schon lange die Menschen, wie man eine ausgewogene Ernährung selbst erzeugt, und viele unserer Freiwilligen pflanzen jetzt mehr Gemüse denn je an. Sie haben verstanden, dass die Verwendung von Moringa-Pulver und -Blättern, Erdnüssen und anderen Hülsenfrüchten ihnen viel nützliches Protein verschafft. Wir wollen das Maß der Unterernährung mindern, indem wir die Familien ermutigen, ihre Ernährung dadurch auf eine breitere Basis zu stellen, indem sie dauerhaft unterschiedliche Gemüse und eiweißhaltige Nahrungsmittel einbeziehen und außerdem besonders auf die Kinder unter fünf Jahren achten. Diese Kinder brauchen zusätzlich zu den üblichen drei Mahlzeiten zwei weitere, und alle sollten möglichst frisch zubereitet werden.

Die Lösung: Als Alternative zu Mais wird Tiko den Teilnehmern helfen, andere gegen Dürre resistenten Feldfrüchte anzupflanzen, aus denen man Nsima machen kann, und so die Unterernährung zu bekämpfen, die aus dem Mangel an Nahrung herrührt. Die Familien sollen angeregt werden, ihre Ernährung umzustellen, und außerdem wird Tiko, falls nötig, ONENEPA bereitstellen, das Nahrungsergänzungsmittel, das bei unterernährten Kindern Wunder bewirkt. Besondere Aufmerksamkeit wird darauf gerichtet, sicherzustellen, dass die Familien Erdmandeln und Moringa, eine sehr nährstoffreiche Pflanze, anbauen, und wir werden Vorschläge machen, wie je nach Jahreszeit einheimische Gemüsearten in die Ernährung einbezogen werden können. Außerdem werden wir sicherstellen, dass Kinder mit Unterernährung oder anderen Gesundheitsproblemen besondere Fürsorge erhalten, indem wir den Familien eine Lebensmittel-Kiste besorgen, in der zusätzliche Portionen aufbewahrt werden können. Nach einem Jahr wird unser Team Gewicht, Wachstumsrate und Nahrungsaufnahme der Kinder erheben und auswerten, um die Ergebnisse unseres Programms zu ermessen.

Die Langzeitwirkung: Unterernährung im Kindesalter hat eine negative Auswirkung auf das ganze Leben. Sie verursacht geringere Körpergröße, Entwicklungsverzögerung, geringere Immunität und Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten. Das Ziel von Tiko ist, durch Bereitstellung von zusätzlicher Nahrung und anderen Hilfen und durch die stetigen Betonung, wie wichtig die richtige Ernährung für die ganze Familie ist, das Vorkommen von Unterernährung zu senken und den Kindern im Katete-Distrikt ein gutes Gedeihen zu ermöglichen,

 

Meine Reise zu Spendern, Familienangehörigen und Freunden in Europa

Dank der Großzügigkeit alter Freunde kann ich wieder meine Familie, Freunde und diejenigen besuchen, die viele Jahre lang Tiko unterstützt haben, ebenso wie einige der jüngeren in Düsseldorf.

Ich verlasse Tiko am 3. April und komme am 13 Mai zurück. Tiko lasse ich in den Händen von Abel Mponda zurück, der vom Verwaltungskomitee und dem Team unterstützt wird. Weil ich bereit war, bis Ende März in Tiko zu bleiben, konnte ich keine speziellen Pläne für Ostern machen. Das bedeutet leider, dass ich leider nur sehr wenig Zeit bei jedem meiner Freunde verbringen kann. Das bedaure ich wirklich sehr.

Bitte haltet die Daumen, dass wir hier keine weiteren bösen Überraschungen erleben – unsere Ernte-Erwartungen liegen bei 60% auf Grund der übergroßen Regenfälle, aber zur Zeit hat man das Gefühl, alles sei unter Kontrolle.

Und lasst Euch die Laune nicht verderben, egal was die Nachrichten bringen!

Alles Liebe von mir und dem Team,

Eure Elke

 

Wichtig: Bankkonten in Chipata. Das Projektkonto wird ausschließlich für das „19 Schritte aus der Armut Projekt“ genutzt. Alle zukünftigen Zahlungen sollten auf das Hauptkonto (General Account) gemacht werden: Tikondane Community Centre A/c No: 04-1097493 Webseite: www.tikondane.org Deutsch: www.tikondane.de Zu Konto-Details für Spenden siehe „Spenden-Seite“ (Donations page) und PayPal Dieser Newsletter wurde von einem Tiko-Freund in Großbritannien verschickt. Richten Sie jegliche Anfragen/Newsletter-Abonnierungen oder -Kündigungen/Kontakt-Updates an tikoeducation@gmail.com

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