2019 Newsletter Nr. 5

Liebe Freunde,

dies ist 2019 der letzte Newsletter und die Tatsache, dass Tiko in diesem Jahr 20 Jahre alt geworden ist, gibt uns Anlass, einige der vielen Aktivitäten und Projekte noch einmal Revue passieren zu lassen, die wir im Laufe der Jahre organisiert haben.

Als ich im benachbarten St. Francis Hospital arbeitete, wurde mir bewusst, wie viele Menschen hier Analphabeten waren und unbedingt etwas dagegen unternehmen wollten. Doris, die schon meine Freundin war, bevor Tiko ins Leben gerufen wurde, machte mir klar, dass aufgrund der Armut der Menschen vor Ort das Bereitstellen von Ausbildung und Arbeitsplätzen wichtiger wäre, als dass man ihnen Lesen und Schreiben beibrächte. Dies träfe  insbesondere auf Frauen zu, die ohne finanzielle Unterstützung Kinder großziehen müssten. Doris wurde später selbst Mitglied der Gemeinde.

Die Tiko Community könnte nicht existieren ohne die ununterbrochene Unterstützung durch meine Freunde in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Australien, Amerika, Japan, Israel, Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Italien und ohne die jahrelangen Spenden der vielen Menschen und Organisationen wie der Round Trip Foundation; vor allem aber auch nicht ohne die vielen Volontäre aus noch mehr Ländern. Für ihre großzügige Unterstützung sind wir stets dankbar. Im Folgenden sollen einige der Initiativen zusammengefasst werden, ohne dass dabei eine bestimmte Reihenfolge eingehalten wird.

 

Die Tiko Lodge

Besucher und Volontäre, die um zu helfen kamen, brauchten eine Bleibe. So wuchsen ab der ersten Unterkunft die Lodge und das Restaurant in der Weise, dass sie heute 75 Mitgliedern der Gemeinde Arbeit bieten. Besucher werden in mehreren Gebäuden untergebracht, auch im luxuriösen Rondavel. Das Tiko-Team besteht aus hilfsbereiten Leuten, die stets zur Stelle sind, den Gästen zu helfen, sie herumzuführen und sie auf den verschiedenen Touren, die wir anbieten, zu begleiten. Auch zeigen sie Besuchern gern ihre eigenen Hütten. Sie teilen alles untereinander und arbeiten in verschiedenen Funktionen als Volontäre, wofür sie Geld und Sachleistungen erhalten. Den Menschen in den umliegenden Dörfern im Katete-Distrikt  bieten sie großzügig ihre Hilfe an.

 

Ein Hauch von Luxus. Das Rondavel verfügt auch über ein Bad und eine Dusche.

 

Bildung

Schulen:

Tiko gründete eine auf verschiedene Gebäude und Notunterkünfte verteilte Schule. Der Naperville Sunrise Rotary Club aus den USA baute dann zwei hervorragende Klassentrakte. Leider wurde es unmöglich, mit einem von der Regierung ernannten Lehrer zusammenzuarbeiten, so dass ich die Gemeindeschule schließen musste. Glücklicherweise konnten die Schüler in einer anderen örtlichen Schule untergebracht werden. In jüngster Zeit wurde in den Gebäuden eine weiterführende Schule untergebracht. Eine solche Schule wurde dringend benötigt. Die Miete für die Unterbringung kommt Tiko zugute.

 

Eines der beiden Gebäude der Tikondane Community School.

 

Homecare-Mitarbeiter:

Diese Personen, in erster Linie Frauen, haben von Tiko organisierte Kurse besucht und bieten in ihren Dörfern einfache Gesundheitsfürsorge an. Tiko hilft ihnen bei ihren monatlichen Treffen.

 

HIV / AIDS-Beratung:

Anfangs gab es wenig Hoffnung für die Infizierten, doch seit Medikamente zur Verfügung stehen, hat sich die Überlebensrate erheblich verbessert. Außer Tikos Gesundheitsberater helfen in ihren Dörfern auch jene Homecare-Mitarbeiter, die eine Weiterbildung erhalten haben.

 

Theatergruppe:

Einige junge Leute haben eine Theatergruppe gegründet, die in die Dörfer der Umgebung geht, um dort die verschiedensten Probleme in Form von kleinen Schauspielen  darzustellen.

Da geht es z. B. um Teenager-Schwangerschaft und frühe Ehe. Wo extreme Armut und Hunger herrschen, werden Mädchen ab 14 Jahren verheiratet, obwohl dies illegal ist. Die Aufführungen dieser Gruppe decken auch Themen im Zusammenhang mit HIV / AIDS ab. Die Zuschauer aus den unterschiedlichsten Altersgruppen haben ihre helle Freude daran.

Die Theatergruppe führt an einer weiterführenden Schule ein Stück zum Thema Teenager-Ehe und Schwangerschaft auf.

 

Tiko’s Neunzehn Schritte aus der Armut für Selbstversorger (Subsistenzbauern)

Dieses Programm deckt viele Aspekte des Lebens im ländlichen Sambia ab. Da geht es von der Züchtung von Nahrungspflanzen über Wasserversorgung, Hygiene, Bodenbearbeitung und Tierhaltung bis hin zu Gesundheitsfragen. Die meisten Teammitglieder befolgen diese Schritte hin zu einer gesunden Ernährung. Das Projekt folgt den Regeln der Permakultur.

 

 

Tikos Zukunft

Wir sind seit Mitte des Jahres optimistisch und wissen, dass wir zwei Anträge auf Zuschüsse für Empfänger stellen können, die von uns erfahren haben. Nun ja, dank Federico könnten wir zumindest lesen, was wir geschrieben haben… Mit seiner Hilfe haben wir uns an die örtlichen Behörden gewandt mit der Bitte um eine finanzielle Zuwendung. Mit der sollen in vier Jahren 78 Frauenclubs mit jeweils über 500 Mitgliedern unser Programm „19 Schritte“ unterrichten. So wollen wir beispielsweise die Wertschöpfung der Ernte erhöhen, indem wir aus Maniok Maniokmehl machen. Eine Antwort steht noch aus! Vielleicht zeigt das Landwirtschaftsministerium mehr Interesse.

Wir hatten gehofft, unser Mangelernährungspräparat ONENEPA mit Hilfe von COMACO in größerem Maßstab produzieren zu können. Wir mussten  jedoch bald erkennen, dass Tiko einfach zu klein ist, um mit dieser großen Firma zusammenzuarbeiten. Also traurig? Nein, eher erleichtert. Wir können einfach nicht sehen, wie unsere Mitarbeiter  in einem professionellen Umfeld glücklich arbeiten, in dem die Bedingungen eher denen  eines Operationssaales eines Krankenhauses entsprechen. Die Kosten für die Zertifizierung der Produkte sind ebenfalls unerschwinglich und der Umbau des Mamadoro-Hauses in eine Fabrik würde eine große Anschubfinanzierung erforderlich machen. Bis heute hat die Gesundheitsbehörde keine finanziellen Mittel, um unser dringend benötigtes Produkt zu kaufen – und wird dies wohl auch in den nächsten Jahren nicht tun.

Zwei Frauen in Schutzkleidung, die ONENEPA  herstellen.

 

Marja, die gerade ehrenamtlich bei uns arbeitet, meint: „Tikos Stärke liegt im Tourismus, Menschen für Menschen.“ Sie betreibt ein eigenes Projekt in Uganda, hilft uns aber jetzt, auf Facebook und  anderen entsprechenden Websites eine Kampagne zu starten, uns Touristen  und Volontäre zuzuführen. Wir hatten eine Familie aus Norwich zu Besuch, die uns dabei helfen könnte – sie hatten uns in LONELY PLANET entdeckt. Vielen Dank an Alan! Und sie haben bereits angefangen zu helfen!

 

Hilfe für einzelne Personen

Ein Beispiel: Triphonia (links im Bild zu sehen), die in der Küche arbeitet, leidet seit einiger Zeit unter Herzklopfen. Das kann beängstigend sein, ist aber nicht immer ernst. Vor kurzem hatte sie jedoch einen so schweren Anfall, dass ich sie ins Krankenhaus schickte. Sie kehrte heim mit Tabletten und der Anweisung, täglich ihren Blutdruck zu überprüfen. Der Blutdruck sank zwar, aber sie machte sich große Sorgen. Man hatte ihr ein Stück Land angeboten, doch  fehlten ihr   die 200 US-Dollar zum Kauf. Mit ihren drei Kindern lebte sie in einem gemieteten Haus. Das älteste war ein junger Mann von 25 Jahren. Ein eigenes Stück Land wäre ihre Chance, nicht nur ein Haus zu haben, sondern auch einen Ort, an dem sie ihre eigenen Nahrungsmittel anbauen könnte.

Ich musste diesen Betrag einfach versprechen! Die Gelegenheit, vier Menschen zu helfen, war einfach zu groß, um sie verstreichen zu lassen. Mit Ihrer großzügigen Hilfe haben wir über 20 Jahre lang mindestens zwei Familien pro Jahr geholfen und möchten die Zufriedenheit weitergeben, etwas Konstruktives und Bleibendes für die Menschen in Katete getan zu haben.  Vielen Dank!

 

Idealismus vs. Geschäftssinn

Eine Gruppe von der Universität Oxford hat  eine Machbarkeitsstudie durchgeführt  hinsichtlich der Frage, ob Mini-Netze für die Stromversorgung der Menschen im ländlichen Sambia eingerichtet werden können. Die Interviews wurden im Distrikt Katete und in einer Region in Südsambia durchgeführt. Tiko spielte bei dieser Untersuchung eine wichtige Rolle, doch als wir kürzlich an einem Workshop der Oxford-Gruppe in Lusaka teilnahmen, stellten wir fest, dass gerade ein Antrag für den Start des Mini-Netzes in Südsambia gestellt wurde. Das liegt u. a. daran, dass in diesem Bezirk bereits Erfahrungen mit dem Erfolg von Sparergruppen vorliegen. Diese Erfahrungen wären von Vorteil, wenn die Zahlungsmodalitäten für den Strom festgelegt werden.

Ich erinnerte mich, dass in der Vergangenheit Mitglieder des Tiko-Teams in solche Gruppen, die sich inzwischen im Sande verlaufen haben, involviert gewesen waren,  und war erstaunt, dass Joyce und zwei andere Tiko-Mitglieder  in einer solchen Gruppe sind. Im dritten Jahr hat Joyce bereits ein großes Haus bis auf Dachhöhe bauen lassen. Ihre Gruppe befolgt die offiziellen Regeln. So muss man beispielsweise einen Behälter mit drei Schlössern haben, wobei der Schlüssel für jedes Schloss von einer anderen Frau aufzubewahren ist.

Joyce, ein unternehmungslustiges Mitglied des Teams.

Joyces Haus hat Dachhöhe erreicht.

Folgenden Unterschied wird es geben: Ein Organisator wird die Gruppen leiten. Diese entrichten dafür eine Gebühr. Wir hoffen, dass Joyce diesen Job übernehmen kann. Unser Vorhaben, solche Gruppen zu gründen, könnte die Dorfbewohner ermutigen, ihre althergebrachte Philosophie zu ändern, nach der man alles untereinander teilt und nach der jemand, dem ein Gefallen getan wurde, seine Schuld irgendwann in Form von Sachleistungen zurückzahlen muss. Wenn wir also „professionell“ arbeitende Sparergruppen auf den Weg bringen, werden wir die Dörfer einen Schritt ins 21. Jahrhundert führen – ob das gut sein wird, ist eine andere Frage. Ausgerüstet mit einem Buch zum Thema und den richtigen Formularen für die Buchführung wollen wir nun Sparergruppen in unseren Dörfern einführen.

 

 

Bürokratie

Auf Anraten von Federico, unserem kundigen Volontär aus Italien, haben wir die „Tiko-Verfassung“ aktualisiert, um klarzustellen, dass unsere Teammitglieder nicht mit Geld entlohnt werden, sondern Zulagen und Sachleistungen erhalten, um ihre Lebensqualität zu verbessern und möglicherweise eine Einkommen generierende Tätigkeit aufzunehmen. Wir haben dem Registrator von NGOs 18 Seiten Dokumente zur erneuten Registrierung zugesandt. Dazu gehörten die geänderte Satzung und zwei Prüfungsprotokolle mit allen erforderlichen Unterschriften sowie ein Bestätigungsprotokoll mit Unterschriften und Fingerabdrücken von zwei Mitgliedern. Alle unsere Dokumente müssen für jeden Antrag vorliegen.

Federico, unser Volontär aus Italien, der wertvolle Hilfe bei der Bewerbung und Ausbildung unserer Praktikanten leistet.

Dieses Land ist hinter Geld her, daher schickte die Behörde ein Inspektionsteam zu uns. Man lehnte es ab, dass einer unser leitenden Mitarbeiter dabei anwesend sein konnte. Sie fanden heraus, dass unsere für die Nahrungsmittel zuständigen Leute  kürzlich nicht auf ihre Gesundheit überprüft worden waren. Das stimmte, aber sie monierten auch, dass „fast alle Wände schmutzig“ und „die Bettbezüge in allen Zimmern schmutzig seien“. Sie hatten sich aber nur den Rondavel angesehen, der graue Wände hat und mit hochwertigem bedruckten Bettzeug ausgestattet ist. Es gibt jetzt ein neues Gesetz, wonach Bettwäsche weiß sein muss. Wir haben dem Rat einen Brief geschickt, in dem wir die Fakten des unglücklichen Besuchs aufgeführt haben. Eine Reaktion darauf steht allerdings noch aus.

Hinsichtlich zukünftiger Projekte haben wir beschlossen, dass wir, um Nachhaltigkeit zu erzielen, einen Nachfolger für mich brauchen, der in der Welt herumgekommen ist und Erfahrung mit dem Leben und den möglichen Erwartungen der Menschen hat, die uns besuchen. Die Roundtrip Foundation in Melbourne wird bei diesem Vorhaben Hilfestellung leisten.

Die nächste dringliche Aufgabe ist der Bau eines Waschraumtrakts für zukünftige Camper. In den letzten Jahren kamen so wenige, dass wir immer Zimmer zum gleichen Preis angeboten haben, doch dieses Jahr hatten wir erheblich mehr Camper. Ein weiteres Muss ist die Renovierung der Lodge – so müssen z. B. dringend unsere Matratzen ausgetauscht werden.

 

Klimawandel

Dies ist weltweit ein heißes Thema, das sich in den enormen Waldbränden, insbesondere in Australien und Kalifornien, sowie in Hitzewellen, Dürren und beispiellosen Starkniederschlägen in vielen Ländern widerspiegelt.

Dieses Jahr sind Sambia und seine Nachbarländer nicht nur mit der jährlichen Hungersaison konfrontiert, sondern auch mit wirklichem Hunger. Die Produkte, die geerntet werden konnten, wurden von den Bauern rasch verkauft, und Tiko hat nicht viel Mais oder andere Nahrungsmittel auf Lager.

Wie Sie sehen, ist Afrika nicht mehr allein, wenn es um dringende Hilfe geht, und das wissen wir alle sehr gut. Die Belastbarkeit und der feste Glaube unserer Mitarbeiter setzt mich immer wieder in Erstaunen. Wir werden weitermachen und freuen uns auf Besucher und Volontäre, die mit uns zusammen gerne den Kampf aufnehmen wollen. Hauptziel dieses Newsletters ist es jedoch, all unseren Freunden und Spendern unseren tiefen Dank auszudrücken.

Ein kleines Mädchen sitzt in einem selbstgebauten Stuhl, ohne sich Sorgen um die Zukunft der Welt zu machen.

 

Ein FRIEDLICHES Fest für Sie, liebe Leser, Freunde und Spender. Ich freue mich sehr darauf, viele von Ihnen im April und Mai 2020 zu treffen.

Mit all meiner Liebe und der des Teams

Ihre Elke

 

Wichtig: Bankkonten in Chipata. Das Projektkonto wird ausschließlich für das „19 Schritte aus der Armut Projekt“ genutzt. Alle zukünftigen Zahlungen sollten auf das Hauptkonto (General Account) gemacht werden: Tikondane Community Centre A/c No: 04-1097493 Webseite: www.tikondane.org Deutsch: www.tikondane.de Zu Konto-Details für Spenden siehe „Spenden-Seite“ (Donations page) und PayPal Dieser Newsletter wurde von einem Tiko-Freund in Großbritannien verschickt. Richten Sie jegliche Anfragen/Newsletter-Abonnierungen oder -Kündigungen/Kontakt-Updates an tikoeducation@gmail.com

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