2020 Newsletter Nr. 2

April 2020

Liebe Freunde,

von den Mitgliedern des Tiko-Teams und von mir an dieser Stelle an Sie alle herzliche Grüße! In den letzten zwei oder drei Wochen haben Sie im Lockdown gelebt und wir hoffen, dass Covid-19 Sie verschont hat. Als wir die bevorstehende Bedrohung erkannten, gelang es uns, unsere Freiwilligen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden nach Lusaka und von dort weiter nach Hause zu bringen.

Zwangsläufig hat das Virus über die Flughäfen auch seinen Weg nach Sambia gefunden. Während ich dies schreibe, gibt es offiziell 36 gemeldete Fälle, aber angesichts der Massenansammlungen und der schlechten hygienischen Ausstattung ist es unvermeidlich, dass  bald Tausende erkrankt sein werden und es auch viele Todesfälle geben wird. Es gibt noch keine Vollsperrung im Land, aber Tiko bereitet sich darauf vor. Post von außen erreicht uns bereits jetzt schon nicht mehr.

 

Schutz vor unerwünschten Besuchern

Ein Wachmann wird den Haupteingang schichtweise von 08.00 bis 10.00 Uhr, 10.00 bis 14.00 Uhr und 14.00 bis 18.00 Uhr bewachen. Nachts haben wir Wächter und an beiden Enden von Tiko stehen „Kein-Eintritt-Schilder“. „Gesprächszeit“ (Prepaid-Guthaben) für Mobiltelefone wird im Elodie-Haus verkauft, damit Fremde nicht die Veranda im Bereich der Rezeption betreten.

Jason steht Wache, um unerwünschte Besucher abzuweisen. Wasser steht für diejenigen, die eintreten dürfen, zum Händewaschen bereit.

Ein Wachmann wird nachts mein Haus im Auge behalten, weil die einzige Person in Katete, von der man annehmen kann, dass sie Geld hat, die einzige Muzungu ist – und die bin ich. Wir haben drei große Hunde und einen schönen Welpen, aber auch verlockende Hühner, Enten, Kaninchen und Ziegen. Diebe wurden schon auf frischer Tat ertappt und  konnten so nur eine unserer fünf Enten stehlen.

 

Versammlungen

Versammlungen wird es weiterhin geben, aber jetzt in der Guernsey Great Hall, wo Platz für 60 Personen unter Einhaltung eines Abstands von 1,80 m vorhanden ist. Draußen gibt es Wasser und Seife und ein Wachmann kontrolliert, ob sich die Leute ihre Hände richtig waschen.

Stühle und Oberflächen werden täglich mit Brennspiritus abgewischt. Die Sitzung des Verwaltungsausschusses findet wie üblich am Montagnachmittag statt, Yoga, wofür genügend Platz vorhanden ist, dienstags, die  Praktikanten treffen sich mittwochs.

Sitzung des Verwaltungsausschusses ─ neuer Stil mit maximal zehn Personen.

Zwei Praktikanten werden Bella, unserer deutschen Freiwilligen, Informationen zukommen lassen. Ihr stand nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung, die sie für ihre Masterarbeit zur „Belastbarkeit des Klimawandels in Katete“ benötigt; dennoch hofft sie, dass sie ihre Arbeit abschließen kann. Sie hatte sehr fleißig gearbeitet, und ihr Thema ist für Tiko  natürlich von großem Interesse.

Bella interviewt einen Katete-Geschäftsmann.

Gehälter

Da Einnahmen durch Freiwillige und durch Besucher der Lodge und des Restaurants ausblieben, musste Tiko die Gehälter der Mitarbeiter kürzen. Die Leistungen wurden auf 20 ZMW (sambische Kwacha) pro Tag und dann auf 10 ZMW pro Tag reduziert, so dass sie jetzt nur noch 300 ZMW pro Monat erhalten. Die Arbeitszeit wurde ebenfalls auf die Hälfte herabgesetzt, wobei ein Mitglied morgens und das andere nachmittags arbeitet. Die Übergabe erfolgt zur Mittagszeit am VITAGOAT-Gebäude, wo die Leute an sechs Tagen ihr tägliches Mittagessen erhalten. Im Moment besteht das entweder aus Süßkartoffeln oder Kuherbsen. Sie bringen es zu ihren Familien nach Hause. Wir hoffen, dieses System beibehalten zu können. Sollte es eine Ausgangssperre geben, dürfen die Leute immer noch rausgehen, um Lebensmittel zu kaufen; also dürfen sie auch Lebensmittel von Tiko abholen.

Ohne Gäste gibt es für die Hälfte des Teams wenig Arbeit, daher wurden sie gebeten, eine Grundreinigung vorzunehmen und mit der Renovierung zu beginnen. Wartungsmann Jason arbeitet Vollzeit. Farbe ist billig genug, ebenso Wolle zum Weben und Stricken. Wenn alles optimal läuft, wollen wir für das Ende der schweren Zeiten einen großen Lagerbestand an Produkten aufbauen, die wir verkaufen können.

 

Ostern

Wir hoffen, dass der Ostersamstag für die Mitarbeiter ein Highlight sein wird, wenn sie Ziegenfleisch erhalten. Eine unserer beiden Billie-Ziegen wird gehen müssen! Wir werden auch einige „Bonbons“ verteilen, indem wir jeder Familie Fleischersatz für eine Mahlzeit, ein Pfund Zucker und ein Stück Salaula (Secondhand Kleidung) schenken. Vielen Dank an alle, die die Kleidung geschickt haben! Ohne diese Kleidung würden wir nicht auskommen. Das letzte warme Oberteil ist an unseren neuesten Nachtwächter gegangen. Alle weißen Uniformoberteile wurden aus gespendeten Kleidern gefertigt, ebenso stammt eine große Menge Kinderschuhe aus Spenden – und ein weiteres Paket ist auf dem Wege zu uns – zikomo kwambiri!

 

Anbau und Ernte

Seit der Bedrohung durch Covid-19 haben wir alle gebeten, einen Sackgarten anzulegen, in dem Gemüse angebaut werden kann. Im März haben wir dafür die Säcke und Samen gekauft. Wir brauchen jedoch weiterhin Schutz vor herumstreunenden Hühnern, wofür unser Geld hoffentlich noch reicht, und wir hoffen immer noch, dass mehr Menschen Taubenschläge bauen.

Da Diebe selbst zulangen, wenn wir uns nicht beeilen, haben wir gesagt, wir würden bei der Ernte helfen. Jeder wird sagen, dass er Hilfe braucht, aber wir haben da  aus dem letzten Jahr eine gewisse Richtschnur für Ehrlichkeit. Die Leute erhielten Geld, wenn sie versprachen, Tiko einen Sack Mais abzugeben.

Zur Erntezeit gab es immer einige Probleme, denn zu der Zeit bin ich normalerweise irgendwo in Übersee. Da nahm sich mancher so seine Freiheiten! Keine Chance dieses Jahr! Eines der wenigen guten Dinge, die COVID-19 mit sich bringt!

Die meisten Produkte kann man in diesem Jahr nach der Ernte noch nicht essen; sie müssen vielleicht erst noch getrocknet werden. Als unser Fahrer uns erzählte, dass er von einem Dorf gehört habe, das schon früh Kuherbsen geerntet habe, schickten wir ihn dorthin, denn schon bald wird man uns um zusätzliche Lebensmittel bitten. Gestern habe ich erfahren, dass Dorothy, eine unserer Lehrerinnen – die übrigens an Sichelzellenanämie leidet –  und ihre entzückende Tochter Mphatso überhaupt keine Nahrungsmittel zu Hause haben. Wir können jetzt nicht helfen, aber wir halten uns dafür bereit.

Die einzige Frucht, die geerntet wird, ist Mais, den wir allerdings nicht anbauen. Wir in Tiko glauben an den Anbau von Maniok. Die Teammitglieder haben jedoch viel Mais auf ihren Feldern gepflanzt und in dieser Saison fielen die Niederschläge gut aus. Diese Woche wurden bereits drei Diebstähle gemeldet. Wir bieten jedem ZMW 250 ($ 14) an, der Erntehelfer findet. Solche Stücklohnarbeit ist sehr verbreitet, und dann gibt es da ja noch die Kinder, die Ferien haben.

Eine Bitte um Geld wird sicherlich bald kommen, nämlich für Ochsenkarren zum Transport des geernteten Mais. Während wir versuchen zu sparen, glauben wir, dass Investitionen in die Ernte der wirkungsvollste Weg sind sicherzustellen, dass die Mitarbeiter zu Hause genügend zu essen haben. Wir bieten auch ZMK 50 (3 USD) pro Person an, um wieder Taubenhäuser zu bauen, und haben begonnen, 250 USD für das auszugeben, was von der letzten Hungerhilfe noch übrig ist, nämlich einen Liter Speiseöl pro Familie. Sonnenblumen waren das einzige Anbauprodukt, das es noch auf dem Markt zu kaufen gab.

Ein junger Mann, der Tiko verlassen hat, um im St. Francis Hospital, wo die Bezahlung besser ist, zu arbeiten, sagte kürzlich vor einer Kirchengemeinde, dass er Elke sehr dankbar sei. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Angestellten des St. Francis 8 Monate lang keinen Lohn mehr erhalten. Er aber habe, als er in Tiko war, damit begonnen, Tauben zu züchten und vom Erlös aus dem Verkauf der Tauben habe er leben können.

Eine Vorschau auf afrikanische Länder besagte, dass Covi-19 nicht so schlimm sei, da die Hälfte der Bevölkerung unter 25 Jahre alt sei. Es sei nur zu erwarten, dass Personen jenseits dieses Alters und vor allem die Hochbetagten sterben würden, da andere Krankheiten auch nicht richtig behandelt werden würden.

 

Einige erfreuliche Nachrichten

„Plan International“ ist eine weltweite Organisation, deren Anliegen das Wohlergehen von Kindern ist und die sich insbesondere um die Probleme von Mädchen und Kinderehen kümmert.

Wir hoffen, dass Gift Mwaka ein dreitägiges Seminar in Tiko leiten wird, wenn die gegenwärtige Krise vorbei ist. Vorerst wurden ja alle Reisen abgesagt.

Gift Mwaka, Mikrofinanzkoordinator von „Plan International“, hält einen Vortrag in Tiko.

Der Dorfvorsteher von Greya, der Nduna von Chiefteness Kawaza. Er hatte ein total abgetragenes Hemd. Seht, wie glücklich er das aus Tübingen trägt, das ich für ihn gefunden habe. Es sah ein bisschen groß aus, also zog er es sogleich über das, das er bereits anhatte.

Der Dorfvorsteher von Greya, der Nduna von Chiefteness Kawaza.

Die Arbeit geht weiter. Im Freien wird ganz ungezwungen ONENEPA hergestellt.

Catherine Mpakateni mit ihrem Enkel.

 

In den meisten Ländern, in denen Covid-19 bereits Fuß gefasst hat, dürfen Enkelkinder nicht einmal mehr ihre Großeltern besuchen. Eine solche Vorschrift  wird hier unmöglich sein. Ich sage den Leuten, sie sollen keine Angst haben, wenn sie anfangen zu husten und wenn ihnen auch die Nase läuft, kann es eine Erkältung sein oder die Grippe (Influenza). Beides  ist bekannt und nicht tödlich. Trotzdem sollten sie die Regel für das Corona-Virus befolgen: sich zu Hause in einer Ecke verstecken und den Kontakt mit anderen vermeiden. Stellt das Essen vor euch und kommt keiner Person nahe. Selbst wenn es sich um Korona handelt, sind alte Menschen und solche mit Vorerkrankungen am stärksten gefährdet. Kinder werden nicht betroffen sein, sollten sich aber von Erwachsenen fernhalten. Ich sage ihnen, dass es sicherer sei, in ihrer Ecke zu bleiben, bis es einen angemessenen Schutz für unsere Ärzte, Krankenschwestern und Menschen gibt, die eine wirklich kranke Person zu den ausgewiesenen Orten transportieren (wohl kaum in ein Krankenhaus oder eine Klinik).

In Sambia wurde der erste Todesfall mit Covid-19 am 2. April gemeldet, aber wir wissen, dass die meisten Freunde von Tiko in Europa, Amerika und Australien bereits seit mehreren Wochen mit der Bedrohung leben und „eingesperrt“ sind.

Einige von Ihnen haben sich möglicherweise selbst schon angesteckt oder Angehörige oder Freunde verloren.

Alles Liebe von Elke und dem Team. Mit unseren Gedanken sind wir bei Ihnen.

 

Wichtig: Bankkonten in Chipata. Das Projektkonto wird ausschließlich für das „19 Schritte aus der Armut Projekt“ genutzt. Alle zukünftigen Zahlungen sollten auf das Hauptkonto (General Account) gemacht werden: Tikondane Community Centre A/c No: 04-1097493

Webseite (englisch): www.tikondane.org Internetseite (deutsch): www.tikondane.de Zu Konto-Details für Spenden siehe „Spenden-Seite“: Unterstütze Tiko und PayPal

Dieser Newsletter wurde von einem Tiko-Freund in Großbritannien verschickt. Richten Sie jegliche Anfragen / Newsletter-Abonnierungen oder -Kündigungen / Kontakt-Updates bitte an tikoeducation@gmail.com

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