2020 Newsletter Nr. 3

Mai 2020

Liebe Freunde,

auf den letzten Newsletter gab es so viele Reaktionen von Tiko-Freunden, dass diese Ausgabe rascher als gewohnt folgt. Nach der offiziellen Meldung aus Sambia vom 9. Mai betrug die Gesamtzahl der Covid-19-Infizierten 252, darunter waren 7 Todesfälle und 112 Genesungen. Von den verbliebenen aktiven Fällen entfielen 133 auf Lusaka, den Copperbelt und die Zentralprovinz.

Im Vergleich zu den Zahlen in anderen Ländern erscheint dies nicht alarmierend, bis man erkennt, dass es schwierig, wenn nicht gar unmöglich sein wird, eine starke Ausbreitung zu vermeiden, wenn das Virus die ländlichen Gebiete erreicht. Bisher wurden keine Fälle in Katete oder Chipata registriert, aber viele Menschen treffen Vorsichtsmaßnahmen; auch Tiko ist vorbereitet. Die finanzielle Situation Tikos ist allerdings prekär, wie Sie dem folgenden Text entnehmen können.

Bei den geltenden Abstandsregeln können wir nicht das gesamte Team auf ein Foto bringen, aber alle senden ihre herzlichsten Grüße.

 

TIKO LODGE

Für sehr lange Zeit wird der Lodge kein Geld durch Besucher zufließen, aber zum Glück steht sie nicht völlig leer. Jedes Bett in Tiko wird benutzt, denn wir beherbergen Studenten von überall her, die in Krankenhäusern in Lusaka studieren und hier am St. Francis Hospital eine spezielle Ausbildung erhalten.

Sie zahlen jeweils 350 Kwacha (ungefähr 17€) pro Monat, was so etwa die Kosten für den Strom abdeckt (zum Vergleich, ein Besucher aus Übersee zahlt 220 Kwacha (ungefähr 10,70€) pro Tag und Zimmer). Es ist jedoch gut, dass die Gebäude bewohnt sind, denn heutzutage sind zahlreiche Diebe unterwegs.

Wir sehen nur weiße Kittel, die in Richtung Krankenhaus kommen und gehen.

Die Schüler kochen ihre Mahlzeiten selbst in einer offenen Küche, die mit Hilfe von Jan und Gonda aus Belgien gebaut wurde. Während die Schüler in Tiko sind, verbringen sie ihre Zeit mit Lernen. Wir sehen nur weiße Kittel in Richtung Krankenhaus kommen und gehen. Sie haben es schwer, da die Prüfungen von den verschiedenen Behörden immer wieder verschoben werden. So buchen sie sich dauernd ein und wieder aus. Obendrein haben sie große Geldsorgen.

 

MIT WENIG BARGELD KLARKOMMEN

Wie in vielen Teilen der Welt ist die finanzielle Situation Tikos prekär. Den Mitarbeitern muss viel erklärt werden. Es ist zwar nur wenig oder gar kein Bargeld vorhanden, doch haben die meisten Teammitglieder immer noch ihre kleinen Gehöfte, so dass sie ihre Nahrungsmittel selbst anbauen können. Auch haben sie gelernt, sich ausgewogen und kostengünstig zu ernähren. Daher haben sie die Reduzierung ihres Lohns auf die Hälfte voll akzeptiert. Auch die Arbeitszeit haben wir halbiert, so dass in den meisten Büros immer nur eine Person anwesend ist. Wir stellen Seife und Gesichtsmasken her und haben Spaß an der Abstandsregel von 1,80 m. Wir begrüßen uns mit den Ellbogen und/ oder den Schuhen!

 

BESUCH DER BANK IN CHIPATA

Erneut sind Spenden auf das Tiko-Konto eingegangen, aber wir benötigen noch weitere, da diese Gelder Beträge abdeckten, die bereits im Vorab verbraucht wurden; wir mussten nämlich einige größere Summen zahlen, die nicht Teil unser Mindestkosten waren. Die Erntearbeiten sind gerade im Gange und daher wollen wir etwas Mais zum derzeit niedrigen Preis kaufen, um ihn in unseren Silos für schlechte Zeiten zu lagern.

Abel stellt sich in die Schlange der Mundschutz tragenden Leute, die darauf warten, dass ihre Temperatur gemessen wird, bevor sie die Bank betreten dürfen. Anschließend werden sie dann wieder lange warten müssen. Elke wartet im Auto.

 

ISOLATIONSHÜTTEN

Es ist klar, dass Sambia niemals über die notwendige Schutzausrüstung verfügen wird und die Teammitglieder immer noch Zeit mit ihren Familien verbringen müssen, wo Isolation schwierig, wenn nicht gar unmöglich sein wird. Mindestens neun von uns sind über 60 Jahre alt und wir möchten wenigstens neun Isolationshütten bauen. Jeder, dem es schlecht geht, sollte sich in ein isoliertes Nebengebäude oder eine eigene Hütte begeben. Die größte Angst resultiert hier nämlich aus dem Risiko, dass sich die Großfamilie ansteckt. Für jeweils 78 US-Dollar können wir mindestens neun Isolationshütten aus Lehm und Flechtwerk bauen.

Eine große Hütte im Bau. Tigris hatte bereits einige Ziegel, wir steuerten den Zement bei.

 

ONENEPA-PRODUKTIONSGRUPPE

Die Ergebnisse unserer beiden Global-Giving-Crowd-Projekte haben eines bestätigt: Die Ergänzung des Speiseplans unterernährter Kinder unter fünf Jahren mit Moringa-Blättern, Erdnüssen und anderen Hülsenfrüchten, die zusammengenommen die Proteinzufuhr der Familienmitglieder verbessern, durch unser Produkt ONENEPA leistet einen wertvollen Beitrag zum Wohlbefinden. Nach drei Versuchsreihen und der weiteren kontinuierlichen Anwendung bei unseren Kindern haben wir volles Vertrauen in unser Produkt.

In einem kleinen Gebäude stellt Tiko ONENEPA bereits her, abgepackt in kleinen Portionen à 170 g. Wir haben nun aber beschlossen, unsere Produktion zu steigern. Zu diesem Zweck stellen wir eine Produktionsgruppe auf. Sie soll in dem Raum arbeiten, an den diejenigen, die das Tiko Community Center schon mal besucht haben, sich vielleicht noch erinnern: Dort hielten wir Seminare und Besprechungen des Managements und der Praktikanten ab. Wir hoffen, dass wir durch die Änderungen an Fenstern, Wänden und Decken sowie durch den Austausch hölzerner Regale und Möbel durch solche aus Metall die Vorgaben des Bureau of Standards für die Herstellung und den Verkauf unserer Nahrungsergänzungsmittel erfüllen. Wir schätzen uns glücklich, die Guernsey Great Hall zu haben. Sie ist  momentan unser Versammlungsraum und groß genug, bei gebührendem Körperabstand 50 Personen aufzunehmen.

ONENEPA („Mach fett“) ist ein sehr vitaminreiches Nahrungsergänzungsmittel, abgeleitet nach einem Rezept von Nonnen auf den Philippinen. Für die Herstellung werden drei lokal angebaute Zutaten verwendet, nämlich Maiskleie, Moringapulver, das wir selber herstellen, und Soja. Dazu kommen getrocknete Kürbiskerne, gemischt mit braunem Zucker, Trockenmilch und etwas Schokolade.

Wir brauchen die Erlaubnis, um unsere Produktion zu erweitern und werden auch noch weitere Forschungsarbeiten vornehmen müssen. Dies wird rund 12.000 US-Dollar kosten, doch wir meinen, dass diese Kosten dadurch gerechtfertigt sind, dass die Gesundheit vieler Kinder durch die Aufnahme von ONENEPA in ihre Ernährung verbessert wird. Nach drei Versuchsreihen und der kontinuierlichen Anwendung bei unseren Kindern haben wir volles Vertrauen in unser Produkt. Viele weitere Kinder könnten davon profitieren, wenn das Gesundheitsministerium es kauft oder einen ausländischen Abnehmer für das Produkt findet.

 

In Tiko!

Eine verwaiste  Veranda – kein Besucher in Sicht.

Rezeption: Rachel verkauft „Gesprächszeit“ (Prepaid-Guthaben für Mobiltelefone). Keine Besucher! Sie wird ihren Mundschutz aufsetzen, wenn ein Kunde kommt.

 

ALAN UND ROUND TRIP  (Roundtripfoundation)

Wir hier in Tiko müssen uns ganz besonders bei Alan Murphy, dem „Vater von RoundTrip“, bedanken, der nach Tiko kam, auf der Veranda saß und sich mit mir unterhielt. Wie wichtig diese Unterhaltung sein würde, dämmerte mir da noch nicht. Er brachte im Lonely Planet Guidebook für Sambia eine Karte der Ostprovinz unter, die lediglich zwei interessante Punkte in der Region aufweist: Wildreservate und Tiko! Dieser Reiseführer brachte uns viele Besucher, wie wir sie uns wünschen –  nämlich solche, die es zu schätzen wissen, dass Tiko kein Vier-Sterne-Hotel ist, sondern eine afrikanische Familie darstellt, die stets bereit ist, neue Mitglieder aufzunehmen.

Natürlich ist der Tourismus besonders von der Covid-19-Pandemie betroffen, doch zunächst war mir nicht bewusst, dass alles, was mit Tourismus zu tun hat, einschließlich Reiseführern, darunter leiden würde.

Nach dem Besuch unserer großzügigen Freunde in Deutschland und Holland und der Vorfreude auf mehrere Freunde in England und Schottland hätte ich mich jetzt auf Guernsey erholt; danach wäre „der Sprung“ nach Australien gefolgt. Ich bin kaum noch von der BBC wegzukriegen und mein Herz ist bei Ihnen allen, auch bei denen in Japan und den USA  – überall sind die Verhaltensregeln und Maßnahmen ein wenig anders, aber sie sind gleichermaßen besorgniserregend und mit Mühsal verbunden. Nichtsdestotrotz erhalte ich viele schöne Mails von Tiko-Freunden, die das Beste aus der schlechten Situation machen. Mandy in Norwich arbeitet beispielsweise daran, Tiko über Facebook für den Tourismus – wenn es dann wieder losgeht – bekannt zu machen. Wir haben Glück. Wir werden überleben!

Hier in Sambia haben wir keinen Shutdown, aber wir haben große Angst, dass das Coronavirus zu uns kommen und die Hälfte der Bevölkerung hinraffen wird. Sie werden verstehen, dass dies an einem Ort, der idyllisch klingen mag, mehr ist als nur eine kleine Sorge.

Alles Liebe von Elke und dem Tiko-Team! Bleiben Sie bitte gesund!

 

Wichtig: Bankkonten in Chipata. Das Projektkonto wird ausschließlich für das „19 Schritte aus der Armut Projekt“ genutzt. Alle zukünftigen Zahlungen sollten auf das Hauptkonto (General Account) gemacht werden: Tikondane Community Centre A/c No: 04-1097493

Webseite (englisch): www.tikondane.org Internetseite (deutsch): www.tikondane.de Zu Konto-Details für Spenden siehe „Spenden-Seite“: Unterstütze Tiko und PayPal

Dieser Newsletter wurde von einem Tiko-Freund in Großbritannien verschickt. Richten Sie jegliche Anfragen / Newsletter-Abonnierungen oder -Kündigungen / Kontakt-Updates bitte an tikoeducation@gmail.com

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